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www.lgrb-bw.de | 25.09.2017
LANDESAMT FÜR GEOLOGIE, ROHSTOFFE UND BERGBAU

Regierungspräsidium Freiburg zu Staufen: Ohne vollständige Analyse keine erfolgreiche Therapie

Baden-Württemberg setzt im Interesse des Klimaschutzes und zur Schonung fossiler Energieträger auf die verstärkte Nutzung regenerativer Energien. Einen wichtigen Beitrag hierzu liefert die Nutzung der oberflächennahen Geothermie. In der Stadt Staufen war deshalb beabsichtigt, das denkmalgeschützte renovierte Rathaus mit der Erdwärmetechnologie zu heizen und zu kühlen. Hierzu wurden im Jahr 2007 sieben Erdwärmesondenbohrungen ausgeführt, die im Verdacht stehen, die Schäden im Altstadtbereich zu verursachen.

Zum Schutz des Grundwassers, der Belange Dritter und des Bauherren prüft das Regierungspräsidium Freiburg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (RPF, LGRB), jeden eingehenden Bohrantrag über 100 m Bohrtiefe sowie auf Antrag des zuständigen Landratsamts Bohrungen unter 100 m nach allen dem LGRB vorliegenden Fachinformationen. Dabei handelt das RPF, LGRB als Landesbehörde konform zum Geothermie-Leitfaden des Landes Baden-Württemberg. Entsprechend dem Geothermie-Leitfaden werden Erdwärmesondenbohrungen ausschließlich von zertifizierten Bohrunternehmen hergestellt. Geologisch komplexe Verhältnisse, wie sie in Staufen vorliegen, sind nicht von vornherein ein Ausschlusskriterium für Bohrungen. Dafür spricht auch die große Anzahl von Erdwärmesondenbohrungen in vergleichbaren Situationen, bei denen es zu keinen Schäden gekommen ist. Nach dem Stand der Bohrtechnik war bisher davon auszugehen, dass ein zertifiziertes Bohrunternehmen jederzeit in der Lage ist, entsprechende geologische Situationen zu beherrschen. Nach dem Schadensereignis in Staufen ist dies nicht mehr mit Sicherheit anzunehmen. Die Schadensursache ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Bei dieser Sachlage ist die sicherste Vorsorgemaßnahme, um Schäden wie in Staufen zu vermeiden, für die Stellen, wo im Untergrund vergleichbare geologische Verhältnisse zu erwarten sind, eine Bohrtiefenbegrenzung für Erdwärmesonden auf den sog. Gipsspiegel auszusprechen. Diese Regelung wird seit Anfang des Jahres vom RPF, LGRB landesweit umgesetzt.

Das RPF, LGRB hat von der baden-württembergischen Landesregierung einen Untersuchungsauftrag zur Ursachenerforschung der Hebungsvorgänge in Staufen erhalten. Ziel ist es, Möglichkeiten der Schadensbegrenzung aufzuzeigen. Die detaillierten Untersuchungen der Hebungsvorgänge in Staufen haben am 9. März 2009 begonnen und dauern derzeit noch an. Das RPF, LGRB sowie das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald als zuständige Untere Verwaltungsbehörde sind Mitglieder des Arbeitskreises „Hebungsrisse Staufen“, dem auch kompetente beratende Ingenieurbüros angehören. Der Arbeitskreis berichtet der betroffenen Bevölkerung sowie der Presse in monatlichen Abständen vom jeweiligen Sachstand der Erkundung. Es hat sich gezeigt, dass die Ergebnisse der Erkundung sowie der Mess- und Laborprogramme unverzichtbare Grundvoraussetzungen für eine Sanierung sind. Diese muss zwingend an die geologisch-/hydrogeologischen Verhältnisse angepasst sein. Die bislang gewonnenen Erkenntnisse haben sich für die parallel zur Erkundungsbohrung laufenden Voruntersuchungen von Sanierungskonzepten als unverzichtbar erwiesen.

Die Äußerung von Prof. Ingo Sass, TU Darmstadt: “Die derzeit laufende Erkundungsbohrung liefert keine neuen Erkenntnisse über die Struktur des Staufener Untergrunds“ (so zitiert in der Badischen Zeitung vom 1. Juli 2009) entbehrt insofern einer sachlichen Grundlage. Vor Abschlussder Erkundungsbohrung ist ein vorschnelles Handeln ohne belastbares Datenmaterial nicht vertretbar. Unter Umständen könnten dadurch sogar Maßnahmen zur Schadensbegrenzung unmöglich gemacht werden.


gez. Joachim Müller-Bremberger