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www.lgrb-bw.de | 22.09.2020

12/03 Erdbebendienst wertet Fragebögen zum Vogesenbeben aus: Wahrnehmung sehr unterschiedlich

FREIBURG. In weiten Teilen von Baden-Württemberg, Nordost-Frankreich und der Nordschweiz bebte am Abend des 22. Februar diesen Jahres die Erde. Das Erdbeben der Stärke 5,4 auf der Richterskala ging von einem Epizentrum bei Epinal in den Vogesen aus und war das stärkste der Region seit 25 Jahren. Rund die Hälfte der Bevölkerung des Landes hat die Erschütterungen wahrgenommen, wie eine landesweite Umfrage des Landeserdbebendienstes ergeben hat.

 

Um Einzelheiten über die Auswirkungen des Bebens zu erfahren, hat der Landeserdbebendienst in Freiburg, der Teil des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (LGRB) ist, rund 1000 Fragebögen an die Kommunen verschickt. Diese umfangreiche Befragung erfolgt seit über 100 Jahren, wenn ein Beben etwa die Stärke 4 auf der Richterskala erreicht.

 

Abgefragt wird, wie viele Einwohner das Beben gespürt haben, ob Geräusche vernommen wurden, welche Intensität von Erschütterungen und welche Schäden aufgetreten sind. So hörten manche Befragten ein „dumpfes Grollen“, „Rauschen“, „ein Donnern“, „ein Knistern am Boden“, „ein Krachen im Gebälk“. Andere hatten das Gefühl, eine „Dachlawine würde niedergehen“ oder „ein schweres Fahrzeug fahre vorbei“. Vielerorts haben Lampen, Tische und Sessel gewackelt. In Freiburg und Umgebung sind Menschen erschreckt aus den Häusern gelaufen.

 

„Obwohl es sich um eine Umfrage ohne streng demographischen Charakter handelt, liefert sie dem Erdbebendienst wertvolle Hinweise“, erläutert der Leiter des Landeserdbebendienstes Dr. Wolfgang Brüstle. Eine aus den Umfragedaten erstellte Karte zeigt, wie die gespürte Intensität des Bebens von Südbaden aus in Richtung Nordosten abgenommen hat. Dazwischen fallen Gemeinden mit deutlichen Abweichungen auf. Dass die Antworten so heterogen ausfallen, erkläre sich durch die individuell variierende Wahrnehmungsfähigkeit der Menschen. Großen Einfluss auf die Intensität der Erschütterung haben auch die Beschaffenheit des geologischen Untergrunds und des Baugrunds sowie die Struktur der Gebäude selbst.

 

Die Fragebögen werden nach der Europäischen Makroseismik-Skala (EMS) ausgewertet. Im Unterschied zur Richterskala kennzeichnet sie die Intensität der Bodenerschütterung jeweils vor Ort auf eine phänomenologische Art. Die höchste Intensität in Baden-Württemberg mit 5 wurde im Bereich um Freiburg, Offenburg und in weiteren Orten entlang des Oberrheingrabens ermittelt. In Süd- und Mittelbaden dominiert Intensität 4. Nach Nordosten hin wird die Intensität schwächer, was sich mit der zunehmenden Entfernung vom Herd des Bebens erklären lässt.

 

Auf Grund der Distanz zum Epizentrum waren bei diesem Erdbeben in Baden-Württemberg keine Gebäudeschäden zu erwarten. Tatsächlich sind auch keine flächenhaft verbreiteten Schäden entstanden. Daneben wurden aber doch relativ viele örtlich vereinzelte kleinere Beschädigungen wie Risse im Verputz den Gebäudeversicherungen gemeldet. Bei diesen ist der Grad eines ursächlichen Zusammenhangs von Schaden und Bodenerschütterung zu klären.

 

Der Landeserdbebendienst betreibt zur Überwachung des Landes 30 Messstationen. Der Oberrheingraben ist als seismisch aktives Gebiet bekannt, in dem häufig leichtere Erdbeben registriert werden. Schwere Erdbeben sind selten, generell aber möglich. „Die Region ist daher zu Recht als Zone erhöhter Erdbebengefährdung eingestuft worden“, so Brüstle. Das letzte schwere Beben mit Epizentrum in Baden-Württemberg ereignete sich 1978 auf der Schwäbischen Alb und erreichte den Wert 5,7 auf der Richterskala. Damals entstanden erhebliche Gebäudeschäden. Erdbeben lassen sich trotz hochsensibler Messgeräte noch immer nicht vorhersagen. Wichtig sei, sich durch erdbebensichere Bauweise vor Schäden zu schützen.

 

Aktuelle Erdbebenmesswerte und Informationen über Erdbeben können auf der Homepage des LGRB unter http://www.lgrb.uni-freiburg.de abgerufen werden.

24.11.2003

Ansprechpartnerin für die Presse:
Christine Mittelbach
Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg
Albertstraße 5
79104 Freiburg
Tel. 0761-204-4460
E-Mail: mittelbach@lgrb.uni-freiburg.de
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